Fangirl vs. Karrierefrau: Popkultur als Karrieresprungbrett

Ein Artikel von Nicky
Fangirl vs. Karrierefrau
07.09.2025

Fangirl vs. Karrierefrau: Warum wir unsere Schwärme ernst nehmen sollten

Es gab eine Zeit, da drehte sich mein Leben nicht um Bilanzen, Projektpläne oder den perfekten LinkedIn-Post – sondern um Posterwände, Bravo-Starschnitte und den ganz großen Traum: Einmal Blickkontakt mit meinem Boyband-Crush. Damals hätte ich niemals gedacht, dass diese hysterischen Schrei-Momente in der Konzerthalle irgendwas mit meinem späteren Leben als selbstbewusste Frau und Karriere-Menschin zu tun haben würden. Und doch: Genau da liegt der Ursprung.

„Ohne dich schlafe ich heut Nacht nicht ein!“

Als Teenie in den 90ern war mein Zimmer ein Mix aus Papeterie-Chaos, Schminkspiegel und Kathedrale. Kathedrale? Ja, Kathedrale! Denn die Poster meiner Boyband-Helden hingen wie Heiligenbilder über meinem Bett. Ich betete sie nicht an – ich studierte sie. Wie sie sprachen, wie sie sich bewegten, wie sie ein Publikum in Sekunden im Griff hatten. Heute würde man sagen: „Case Study in Charisma & Leadership.“ Damals war es einfach nur Herzklopfen pur.

Von Kassettenrekordern zu Karriereleitern

Viele von uns haben später ihre Fangirl-Vergangenheit verdrängt. „Ach, war nur ne Phase.“ Doch ehrlich: Genau diese Phase hat uns trainiert! Wer stundenlang vor einer Konzerthalle campiert, weiß, was Durchhaltevermögen bedeutet. Wer zehn Briefe an die Bravo schreibt, lernt Kommunikations-Skills. Und wer beim ersten Fanclub-Treffen ängstlich in den Raum geht, um dann mit Gleichgesinnten neue Freundschaften zu knüpfen – der übt schon Networking, bevor er das Wort buchstabieren kann.

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Peinlich? Von wegen!

Natürlich, wir wurden oft belächelt. „Alles nur Kreischerei!“ hieß es. Aber mal ehrlich: Hat schon mal jemand gesagt, Fußballfans seien peinlich, weil sie Tränen vergießen, wenn ihr Verein verliert? Eben! Wir Fangirls haben Emotionen gezeigt, wo die Gesellschaft uns lieber still haben wollte. Das war kein Schwächeanfall – das war unsere erste Form von Female Empowerment.

Popkultur als Karrierewegweiser

Ob wir es wollten oder nicht: Unsere Boybands haben uns geprägt. Eloy, Ben, Lee oder Basti – sie waren Projektionsflächen. Aber sie waren auch Lehrmeister. Sie haben uns gezeigt, dass man sich auf eine Bühne stellen darf, verletzlich sein kann und trotzdem Applaus bekommt. Heute übersetzen wir das in Präsentationen, Bewerbungsgespräche oder eigene kreative Projekte. Viele von uns sind mutige Frauen geworden, weil wir früher mutige Fans waren.

Von der Bravo zum Business

Ich habe später gemerkt: Die Strukturen sind die gleichen. Die Bravo war unser LinkedIn. Fanpost war unser E-Mail-Marketing. Fanclubs waren unsere ersten Communities. Wir haben Content produziert (Fanfiction, Poster-Collagen), wir haben Events organisiert (Bustouren zu Konzerten), wir haben Herzblut in Projekte gesteckt – alles Skills, die heute in jeder Stellenanzeige unter „Projektmanagement“ oder „Social Media“ auftauchen.

Heute lachen wir – und nehmen es ernst

Ja, heute schmunzeln wir über unsere Tagebücher voller Herzchen und Glitzerstifte. Aber wir sollten diese Vergangenheit nicht kleinreden. Denn sie hat uns Mut, Leidenschaft und Zusammenhalt beigebracht. Eigenschaften, die keine Business-School vermitteln kann.

Fangirl-Power forever

Ob Karrierefrau, Mama oder noch immer Konzertbesucherin – wir alle tragen dieses Fangirl-Herz in uns. Und genau das ist kein Makel, sondern ein Geschenk. Also: Hol die alten Poster raus, erzähl deinen Kids von deinem Boyband-Crush – und sei stolz drauf. Denn in Wahrheit waren wir unseren Schwärmen nie nur ausgeliefert. Wir haben uns selbst gefunden – zwischen Kreischattacken, Bravo-Postern und der Frage: „Wer bekommt heute eigentlich den ersten Kuss?“

👉 Jetzt sag mal ehrlich: Hast du auch heimlich deine Boyband-Schwärmerei im Lebenslauf versteckt – oder würdest du sie heute als Extra-Skill angeben? 😉

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